Im vergangenen Halbjahr veranstaltete der CTSi//circle.responsibleComputing erneut eine aufschlussreiche und inspirierende Brown-Bag-Seminarreihe, die aktuelle Themen an der Schnittstelle von Informatik, Ethik und Gesellschaft in den Mittelpunkt stellte. Unter dem Leitgedanken Responsible Computing versammelten sich Forscher*innen, Praktiker*innen und Studierende, um zentrale Fragen zur Verantwortung im digitalen Zeitalter zu diskutieren.
Im Verlauf von drei Seminaren – die jeweils sowohl vor Ort an der TU Wien als auch online stattfanden – wurden Themen rund um digitale Bildung, wahrgenommene Sicherheit und den verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz behandelt:
16. Jänner 2025: Educational Games for Digital Education – Uncovering Learners’ Misconceptions
Assistant Professor Dr. rer. nat. René Röpke (TU Wien)
Den Auftakt der Seminarreihe bildete der Vortrag von René Röpke, Assistenzprofessor und Leiter des Learning Technologies and eDidactics (LTeD) Research Lab an der TU Wien. In seinem Beitrag zeigte er auf, wie spielerische Ansätze in der digitalen Bildung helfen können, Lernprozesse zu fördern und Missverständnisse sichtbar zu machen. Besonders im Bereich IT-Sicherheit und Social Engineering bieten Educational Games die Möglichkeit, in einer risikofreien Umgebung zu experimentieren und so ein tieferes Verständnis zu entwickeln. Röpke schlug mit seinem Vortrag eine Brücke zwischen Responsible Computing und Didactics und zeigte, wie didaktische Gestaltung Verantwortung im digitalen Lernen fördern kann.
29. April 2025: Perception vs. Reality – The Illusion of Security: Why We (Erroneously) Trust Technologies in the Age of AI Revolution
Projektass. Dipl.-Ing. Rafael Vrecar, BSc (TU Wien)
Im zweiten Seminar beleuchtete Rafael Vrecar, HCI-Forscher und DOC-Stipendiat der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die komplexe Beziehung zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Sicherheit in der digitalen Welt. Sein Vortrag zeigte eindrücklich, dass das Sicherheitsgefühl vieler Nutzer*innen oft weniger mit objektiven technischen Maßnahmen als mit subjektiven Erfahrungen, Wissen und Vertrauen in Technologien zu tun hat. Rafael Vrecar diskutierte, wie ein falsches Gefühl von Sicherheit zu riskantem Verhalten führen kann – etwa durch unbedachtes Teilen von Daten oder unkritisches Vertrauen in scheinbar legitime Systeme. Die anschließende Diskussion unterstrich die Notwendigkeit, Sicherheit nicht nur technisch, sondern auch kognitiv und sozial zu verstehen.
26. Juni 2025: Digital Laziness – Why the Real AI Risk Is Human Surrender
Dr. Patrizia Ecker (AI Literacy Alliance)
Den Abschluss des Semesters bildete der Online-Vortrag von Dr. Patrizia Ecker, Forscherin, Autorin und Gründerin der AI Literacy Alliance. In ihrem Beitrag ging sie der Frage nach, ob das eigentliche Risiko von Künstlicher Intelligenz wirklich in der Technologie selbst liegt – oder vielmehr in unserer wachsenden Bereitschaft, Verantwortung an Maschinen abzugeben. Ecker beschrieb die „digitale Bequemlichkeit" als eine Form der kognitiven Trägheit, die dazu führt, dass Menschen Entscheidungen, Urteilsvermögen und Neugier zunehmend an Algorithmen delegieren. Anhand wissenschaftlicher und praktischer Beispiele zeigte sie, wie wichtig kritisches Denken und Medienkompetenz für eine verantwortungsvolle Gesellschaft im KI-Zeitalter sind.
Fazit und Ausblick
Die Brown-Bag-Seminarreihe des ersten Halbjahres 2025 zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und relevant Fragen rund um Verantwortung in der Informatik sind. Sie machte deutlich, dass Responsible Computing nicht nur technisches Wissen, sondern auch kritische Reflexion, ethisches Bewusstsein und interdisziplinären Austausch erfordert. Mit Beiträgen aus Pädagogik, Sicherheitsforschung und KI-Ethik wurde die Notwendigkeit betont, digitale Technologien bewusst, reflektiert und menschenzentriert zu gestalten.
Im kommenden Jahr wird die Seminarreihe im Rahmen der Science Insight Seminare fortgesetzt und thematisch erweitert. Sie bietet eine offene Plattform, um zu diskutieren, wie digitale Technologien und soziale Innovationen gesellschaftliche Werte, Institutionen und Alltagspraktiken prägen und dabei nachhaltigen gesellschaftlichen Impact erzeugen. Damit unterstützt die Reihe insbesondere das strategische Ziel #7 der TU Wien, den Austausch von Wissen, Methoden und Technologien über disziplinäre Grenzen hinweg zu stärken, sowie das strategische Ziel #8, die Vernetzung und das Gemeinschaftsgefühl innerhalb und außerhalb der TU Wien weiter auszubauen. Durch die Verbindung von wissenschaftlicher Tiefe und praktischen Perspektiven stärkt die Seminarreihe zugleich die Rolle des CTSi als Ort für verantwortungsbewussten Dialog, Reflexion und zukunftsorientierte Diskussionen an der Schnittstelle von Technologie und Gesellschaft.